Großer Spaß mit Ehrgeiz

In der höchsten Klasse versuchten sich beim Qualifying am Samstag die Prototypen möglichst gut zu platzieren. Gestern ging es dann beim Rennen "Großer Preis von Sembach" ums Ganze. FOTO: VIEW

In der höchsten Klasse versuchten sich beim Qualifying am Samstag die Prototypen möglichst gut zu platzieren. Gestern ging es dann beim Rennen „Großer Preis von Sembach“ ums Ganze. FOTO: VIEW

Aufgewühlte Erde fliegt meterweit, der Geruch von Benzin liegt in der Luft. Aus einer Sprecherkabine im Gewerbegebiet Sembach kommen die Ansagen: „Die Ampel ist scharf!“ oder kurze Zeit später eine Zeitansage. „35,9 Sekunden“. Diese Zeit hat beispielsweise Shark I gebraucht, um die 500 Meter lange kurvenreiche Strecke zu bewältigen – nicht schlecht, wenn der Zuschauer am Streckenrand berücksichtigt, dass hier nicht Rennboliden fahren, sondern modifizierte Rasentraktoren.

Auf dem Sembacher Gelände der Firma Becker drehen die Trecker ihre Runden, denn das Unternehmen ist einer der Hauptsponsoren der Veranstaltung. An diesem Wochenende waren Fahrer von 55 Renntraktoren zum „Großen Preis von Sembach“ gekommen. Dass es dabei mit Qualifying und Klasseneinteilung, Zeitnahme und hohem Sicherheitsstandard an der Strecke recht professionell zugeht, hindert die Teilnehmer nicht daran, entspannt und mit Spaß an die Sache heranzugehen.So sind drei junge Männer mit einem Einachsschlepper zu beobachten, die darauf übers Gelände tuckern wollen. Doch der kleine Schlepper ist am Berg sichtlich überfordert. „Da bin ich ja schneller gelaufen“, kommentiert einer der Drei das Geschehen. Mit diesem Gefährt wird wohl ein Rennen nicht möglich sein. Auch der ausrangierte Leichenwagen-Anhänger, der mit bunten Vorhängen offenbar als Wohnmobil genutzt wird, zeigt, dass es hier vor allem um einen Spaßwettbewerb geht. Dennoch strengen sich die Teams sichtbar an.

„Die Traktoren sind alle mal als Rasenmäher produziert worden“, erzählt Donald Betz, zweiter Vorsitzender des Vereins Rasentrecker Neuhemsbach, der die Veranstaltung zehn Jahre lang in Neuhemsbach ausrichtete, bevor sie im vergangenen Jahr nach Sembach umzog.

Mancher Starter komme auch mit dem normalen Rasentraktor, nur das Mähwerk werde für das Rennen demontiert. Solche Gefährte, die nicht besonders schnell sind, fahren in der Klasse Serie; dort geht es auch um Geschicklichkeit, beispielsweise müssen die Fahrer über Brücken und durch Tunnel, um sich später noch an der Wippe zu beweisen. Geschraubt worden ist an der Kategorie Serie Plus und natürlich erst recht bei den Prototypen. Die höchste Klasse ist Super Standard, in der auch auf europäischer Ebene die Rennen ausgetragen werden. „Es gibt jährlich etwa zehn bis zwölf solcher Meisterschaften, die Teilnehmer kommen auch aus dem Ausland“, weiß Betz, dessen Verein am Wochenende auch aus Luxemburg und dem gesamten süddeutschen Raum und der Schweiz Rennteam begrüßen konnte.

Beim Qualifying, das am Samstag ausgetragen wurde, starteten unter den Prototypen auch die Lokalmatadoren vom Team Becker. Das Entsorgungsunternehmen stellt immerhin sieben Traktoren und Fahrer, was die Begeisterung begründet, die die gesamte Belegschaft, von der Chefetage bis zu den Mitarbeitern, infiziert hat.

Auch das Rahmenprogramm war ansprechend: Vom Hubschrauber-Rundflug bis zum Kinderkarussell war alles geboten, gefeiert wurde im großen Festzelt, wo bei einer Schlagerparty und Barbeque am Freitagabend eingeheizt wurde, während dort am Samstagabend die Band „7th Proof“ für Partystimmung am Rande der Rennsportveranstaltung sorgte. Also doch eine Portion großer Rennzirkus beim „Großen Preis von Sembach“. (jös)

QUELLE: Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung, 14.09.2015

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