Mit Volldampf durch die Kurven

Es war ein Fest der besonderen Art das Rasentraktorrennen im Sembacher Gewerbepark. Geboten wurde eine Mischung aus motorsportlichem Spektakel, guter Musik und vor allem Geselligkeit.

„Die Veranstaltung ist schon Kult und aus der Region nicht mehr wegzudenken“, sagt Thomas Becker, Vorsitzender des Vereins Rasentrecker Neuhemsbach. Vor 13 Jahren wurde das Rasentraktorrennen in Neuhemsbach – mittlerweile wird ein Firmengrundstück in Sembach alljährlich zur Rennstrecke umfunktioniert – aus der Taufe gehoben und erfreut sich seither großer Beliebtheit bei Startern und Zuschauern. „Diese Veranstaltung ist nur zu stemmen durch eine Vielzahl von freiwilligen Helfern, die jedes Jahr dazu bereit sind. Es ist nicht einfach, alljährlich aus einer Brachfläche einen Rennkurs ins Gelände zu zaubern“, schildert Organisationsleiter Philipp Becker, dass viel Arbeit hinter der Veranstaltung steckt.Auf der Rennbahn will sich auch Harald Braun vom Team „Blümchenkiller“ beweisen. „Binnen zweieinhalb Wochen habe ich diesen Prototypen gebaut“, erzählt er unmittelbar vor dem Start. Seit acht Jahren ist der 43-jährige Elektroinstallateur auf der Strecke mit dabei. 2014 trug er sich zusammen mit Christian Pfaffenrath in die Siegerliste ein. „Wir hoffen, dass sich auch diesmal die intensive Arbeit gelohnt hat“, ergänzt Braun. An seiner Seite ist dieses Jahr der 40-jährige Karosserie- und Fahrzeugbaumeister aus Enkenbach-Alsenborn, Joachim Scheib, dabei. „Josch“, wie ihn seine Treckerfreunde nennen, ist ein Rasentraktor-Fan und voller Vorfreude aufs Rennen. „Unser Ziel ist Ankommen“, erläutert der 40-Jährige. Auch Braun hatte die Erwartungen kurzfristig etwas zurückgeschraubt. Grund: Beim Training habe der Renntrecker-Pilot gemerkt, dass die Lenkung zu steif sei. „Jede kleine Bodenwelle macht sich am Lenkrad bemerkbar und schlägt auf die Hände“, umschreibt Braun das Gefühl.

Doch das Team „Blümchenkiller“ gibt nicht auf und baut in einem gemeinsamen Arbeitseinsatz in rund vier Stunden die gesamte Lenkung um. Am Ende lohnt sich der Einsatz. Beim Rennen am Sonntag überqueren die „Blümchenkiller“ als Zweites von 25 Teams die Ziellinie.

Für Christian Pfaffenrath aus Neuhemsbach läuft das Rennen nicht ganz nach Wunsch – trotz guter Trainingszeiten. „Schon nach wenigen Metern stellten wir einen Schaden an der Flansch zum Rad fest“, resümiert Pfaffenrath. Auch wenn letztlich nur Rang 22 herausspringt, ist die Stimmung bei Pfaffenrath und seinen Teammitgliedern Sascha Schuler, Sebastian Marhöfer und Michael Seifert gut. Vielleicht auch deshalb, weil sich ein Pfaffenrath in die Siegerliste eintragen kann: Der zehnjährige Sebastian gewinnt die Klasse der Serienfahrzeuge mit einem deutlichen Vorsprung.

In drei Klassen ist Familie Klug aus Mehlingen am Start. Papa Achim, ein 51-jähriger Anlagenbaumeister, hat am Wettbewerbsfahrzeug des Shark-Racing-Teams etliche Veränderungen vorgenommen und Trittbretter angebaut. Der Zwei-V-Kohler-Motor mit 730 Kubikzentimetern Hubraum hat eine Leistung von 25 Pferdestärken. Achim Klug ist einer der Fahrer, die seit der ersten Stunde dabei sind. „Wenn das Ding hält, bin ich vorne mit dabei“, sagt Klug wenige Minuten vor dem Rennen der Prototypen. Und er behält Recht.

Der Mehlinger wird Dritter, hat mit seinem knatternden Gefährt genauso viele Punkte erzielt wie der Zweitplatzierte. „Wir sind sehr zufrieden“, ist aus seinem Umfeld zu hören. Denn auch Sohn Leo Klug fährt ein beherztes Rennen. In der Serienklasse belegt der Elfjährige nach 48 Runden den vierten Platz. Vor einem Jahr hatte er in Sembach das erste Mal am Rennen teilgenommen. Damals sei die Begeisterung so groß gewesen, dass er nun ein Jahr lang auf die nächste Auflage des Rasentraktorrennens hingefiebert habe. Mit einem Mittelfeldplatz in der Super-Standard-Klasse muss sich Leos
17-jähriger Bruder Jan begnügen. Es scheint auch schon ein weiterer Fahrer aus dem Hause Klug auf sein erstes Rennen hinzuarbeiten. Am Rennwochenende hantiert Max, drei Jahre alt, schon fleißig mit dem Schraubenschlüssel herum.

Als am Sonntag die Zielflagge zum letzten Mal fällt, ist für die Teilnehmer, die auf der Strecke mit Volldampf durch die Kurven gefahren sind, noch lange nicht Schluss. Mit ihren Kollegen wird eifrig gefachsimpelt. Der häufigste Satzanfang:„Nächstes ja werden wir …“ Bis zur nächsten Auflage der Veranstaltung vergeht nun wieder ein Jahr – genügend Zeit zum Basteln und für die eine oder andere Trainingsfahrt.

Zur Sache: Die Rennergebnisse vom Wochenende

Klasse der Prototypen: 1. Renntreckerfreunde Pfalz (Christoph Kraus, Enkenbach-Alsenborn), 166 Punkte; 2. Blümchenkiller „Bum-Bum“ (Harald Braun/Joachim Scheib, Neuhemsbach/Enkenbach-Alsenborn), 160; 3. Shark-Racing-Team (Achim Klug, Mehlingen), 160; 4. Hard-Trecker-Racing (Roland Weber, Enkenbach-Alsenborn), 159; 5. Team Korz (Tobias Barwarowitz, Sembach), 155. Schnellste Runde: Becker-Racing, 26,703 Sekunden.

Super-Standard-Abendrennen: 1. Team B 1, 56 Runden; 2. RCT Breunfeld, 56; 3. L.R.C.F., 55; 4. Team B 1 (Leon Lindner), 55; 5. Team B 1 (Tobias Harrock), 54. Schnellste Runde: 1. L.R.C.F., 30,204 Sekunden.

Super-Standard-Rennen
Lauf I:
1. Renntreckerfreunde Pfalz (Bob Ködinger); 2. L.R.C.F. (Christian Kaiser); 3. Team B 1 (Leon Lindner); 4. Team B 1 (Marco Lindner); 5. RCT Breunfeld (Christian Soest).
Lauf II: 1. Renntreckerfreunde Pfalz; 2. Team B 1; 3. RCT Breunfeld; 4. Team B 1 (Marco Lindner); 5. L.R.C.F..
Lauf III: 1. L.R.C.F.; 2. Renntreckerfreunde Pfalz; 3. Team B 1 (Leon Lindner); 4. Team B 1 (Marco Lindner); 5. RCT Breunfeld.
Gesamtwertung: 1. Renntreckerfreunde Pfalz; 2. L.R.C.F.; 3. Team B 1 (Leon Lindner); 4. Team B 1 (Marco Lindner); 5. RCT Breunfeld.Renn-Serie plus: 1. Team Rölle, 135 Punkte; 2. Blümchenkiller, 132 ; 3. Helmut Blumröder, 115; 4. Fremgen-Racing, 104 Punkte; 5. Betzemänner, 97 Punkte.

Serienfahrzeuge: 1. Blümchenkiller-Mini (Sebastian Pfaffenrath, Neuhemsbach), 118 Punkte; 2. Hard-Trecker-Reacing, 98; 3.Presto, 97; 4. Shark-Racing-Team (Leo Klug, Mehlingen), 96 ; 5. Scherer & Kohl, 67.

Quelle: Rheinpfalz
Ausgabe: Pfälzische Volkszeitung vom 01.08.2017
Nr. 176

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